Seit der Räumung des selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum "Movimento" ist inzwischen mehr als ein Jahr vergangen. Die Schließung bedeutete für die BetreiberInnen des "Movimento" und für zahlreiche weitere Gruppen und Projekte das vorläufige Ende der bisherigen Veranstaltungstätigkeit, mit der wir uns einen weit über Wien herausreichenden Namen in der alternativen Kulturszene gemacht haben. Zahlreichen befreundeten Initiativen, VeranstalterInnen und Bands wurde damit die Möglichkeite genommen, weiterhin ein breit gefächertes kulturelles Angebot zu sozial verträglichen Preisen aufrecht zu erhalten.
Auf der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort, für den uns grundsätzlich seitens der MA 13 (Bildung und ausserschulische Jugendbetreuung) Unterstützung zugesagt wurde, sind wir auf viele Initiativen gestossen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden - viele Projekte, viel Arbeit, aber weder ausreichend Raum noch Geld dafür. Daraus ergab sich ein Zusammenschluss, der zur Gründung einer koordinativen Überstruktur, der UKW (= Unabhängige Kulturalternativen Wien) geführt hat, in der wir seither gemeinsam unsere Interessen nach aussen vertreten. Eine grundlegenden Büro- und Veranstaltungsinfrastruktur für alle beteiligten Initiativen ist Voraussetzung, um diesen Auftrag auch erfüllen zu können.
Wir alle stellen uns bewusst gegen die dominante "Leitkultur" und versuchen, Räume & Ressourcen zur Verfügung zu stellen, in denen sich (Rand-)gruppen selbstbestimmt entfalten und dadurch eine Gegengewicht zur entsolidarisierten Gesellschaft schaffen können.
Das Fehlen von Raum und Ressourcen zum Umsetzen eigener Projekte bzw. die Fokussierung auf die Finanzierbarkeit, wenn Raum vorhanden ist, trifft zahlreiche basiskulturelle Initiativen in Wien und anderswo.
Die Arbeit, die wir leisten, stellt eine Schnittstelle zwischen Basiskulturinitiativen & sozialen Bewegungen dar bzw. wird von diesen mitgetragen. Sie kommt zu einen großen Teil Menschen zugute, die kaum über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, die eine regelmäßige Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen erlauben. Dabei geht es für uns als AkteurInnen nicht einmal mehr um die Prekarität unserer Arbeits- und Einkommenssituation, sondern oftmals um eine Tätigkeit ohne jegliche finanzielle oder sozialrechtliche Absicherung, nicht selten unter Einsatz eigener finanzieller Mittel, manchmal sogar unter Gefährdung der eigenen Existenzgrundlage.
Aus diesem Grund erfordert sie auch einen anderen Zugang der Fördergeber und andere politische Verantwortlichkeiten als im etablierten und institutionalisierten Kultur- und Sozialbereich.
Politische Sensibilität für diese Problemstellung ist jedoch kaum vorhanden, ganz im Gegenteil wird z.B. für den Zeitraum der EM von 5.- 23.6.2008 der Aktionsrahmen für Kulturveranstaltungen extrem eingeschränkt, Schwerpunkte öffentlicher Veranstaltungen werden einer "Totalökonomisierung" unterworfen, Gegen/kulturelles gerät dabei zwangsweise unter die Räder der kapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie.
Wir sind der Überzeugung, dass eine Gesellschaft ohne offenen Zugang zu kulturellen Veranstaltungen jeder Art und für alle Bedürfnisse einer Art von kultureller Hegemonie unterworfen ist, die nur mehr der eigenen Verwertungslogik verpflichtet ist und keinen Raum für Projekte ausserhalb dieser Logik lässt.
Dagegen kämpfen wir an!
Unsere Arbeit erfordert Ressourcen wie Raum für Veranstaltungen, eine Basis-Infrastruktur und grundlegende finanzielle Mittel, um partizipative Kulturarbeit mit sozialem Anspruch auf sinnvolle Art und Weise umsetzen zu können.
Wir fordern daher eine gezielte Förderung aus den Sozial- und Kulturbudgets für alle chronisch unterfinanzierten subkulturellen & selbstorganisierten Projekte mittels langfristiger und gesicherter Finanzierung!
Initiativen und Einzelpersonen, die unsere Forderungen unterstützen wollen bzw. selbst auf der Suche nach Raum & Ressourcen für ihre Arbeit sind, finden weitere Infos & die Möglichkeit, unsere Online-Petiton zu unterschreiben, unter:
http://raumforderung.unkompliziert.org/unterschreiben